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Open Source vs. Longhorn

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Die Zeit wird knapp für die Open-Source-Gemeinde. Sie muss sich für eine Strategie entscheiden, wie sie Microsofts kommendem Betriebssystem begegnen will. Dave Bailey wägt die Optionen ab.

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Nachdem ich die offenherzigen Kommentare gelesen habe, die Mitglieder von Gnome und Mozilla im letzten Monat online veröffentlicht haben, bin ich etwas besorgt. Diskutiert wurde, wie die Open-Source-Gemeinde eine Strategie entwickeln sollte, mit der man der Bedrohung durch das zukünftige Desktop-Betriebssystem von Microsoft, Longhorn, begegnet.

Derzeit wird erwartet, dass Microsoft Longhorn Ende 2006 ausliefert; eine Server-Version soll 2007 folgen. Nehmen wir an, Microsoft bleibt bei diesem Terminplan und es gibt keine weiteren Verzögerungen. Das bedeutet, dass jede Open-Source-Alternative zu Longhorn zwei Jahre hat, bevor sie in den Vertrieb gehen muss.

Die vielleicht bezeichnendsten Kommentare kamen von einem Mitglied der Gnome Foundation, das meinte, es sei eine Schande, dass es so lange gedauert habe, bis diese Diskussion überhaupt in Gang gekommen sei. Es fügte hinzu, dass um der Microsoft-Kompatibilität willen viele Kompromisse gemacht werden müssten.

Offensichtlich ist die Open-Source-Gemeinde besorgt über ihren langsamen Fortschritt bei der Reaktion auf Longhorn und es gibt Irritationen, dass es Teile in der Bewegung gibt, die die Absicht haben, eher das zu kopieren, was mit Longhorn kommt, als sich auf Innovationen zu konzentrieren und eine eigene Linie zu verfolgen.

Nat Firdman, Mitbegründer von Gnome, erklärt die drei Strategien, die er als Reaktion gegen Longhorn für möglich hält. Man kann Marktanteile gewinnen, bevor Longhorn in den Handel kommt; man kann die XML Aplication Language (XAML) klonen; oder man entwickelt eine plattformübergreifende Open-Source-Lösung.

XAML ist die Sprache, die Microsoft für die Entwicklung von Anwendungen unter Longhorn verwendet. Sie soll ein vereinheitlichtes Programmiermodell sowohl für Windows- als auch für Web-Anwendungen bieten.

Die erste Option ist passiv und verlangt nach Gottvertrauen und einem starken Magen. XAML zu kopieren, wirkt auf mich wie ein riskantes Spiel; angesichts der Leistungsfähigkeit dieser Sprache könnte die Open-Source-Bewegung allerdings feststellen, dass es keine Alternative zu einer eigenen XAML-Implementation gibt. Im Fußball würde analog dazu ein Trainer seinen Spielern Angst machen, indem er eher erklärt, was der Gegner alles kann, anstatt die Spieler auf ihre eigenen Stärken aufmerksam zu machen. Wenn die Open-Source-Bewegung XAML einfach nur kopiert, reagiert sie nur auf Ereignisse statt das Spiel zu bestimmen.

Die dritte Alternative, die Erschaffung einer plattformübergreifenden Alternative, könnte die beste aus einer Auswahl von schlechten Lösungen sein, ist aber am schwierigsten zu bewältigen. Das setzt natürlich voraus, dass Microsoft sich zurücklehnt und den bisherigen Kurs beibehält – etwas, woran ich nicht glaube.

Microsoft hat noch zwei Jahre bis zum Auslieferungstermin und könne ein paar üble Überraschungen für die Open-Source-Bewegung auf Lager haben. Im Moment hat das Unternehmen allerdings alle Hände voll zu tun, Service-Packs mit dem Schwerpunkt Sicherheit für eine Vielzahl seiner Produkte herauszubringen, unter anderem Windows XP und Windows Server 2003.

Auf der Geburtstagsparty für Windows Server 2003 verkündete Microsoft vor ein paar Wochen, dass das nächste Update R2 heißen wird. Das Update für Desktop-Windows soll den Namen D2 tragen. Die Assoziationen zu Star Wars sind klar. Die Open-Source-Bewegung würde sich natürlich selbst als Allianz der Rebellen porträtieren – und sie muss darauf hoffen, dass sie einen Angriff koordinieren kann, bevor Bill Gates und seine Mannschaft einen neuen Todesstern fertig stellen können.