IT-Markt
Neue Börsengänge erhöhen den Wettbewerb

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Martin Veitch bewertet die Rückkehr von Technologie-Unternehmen auf den Aktienmarkt als gute Nachricht für IT-Manager.

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Denken wir zurück an das Jahr 1998. Bill und Monica – und dieses Kleid. Zinedine Zidane, wie er den World Cup in die Luft hält. Die Kämpfe im Kosovo. Und jeder auf der Suche nach einem neuen Job bei einer Internet-Firma. Läuft jetzt wieder dasselbe ab?

CRM-Web-Services – der gleiche Dreck wie die toten Dienste der Dotcom-Zeit?

Letzte Woche tat es RightNow Technologies, Anbieter von Customer Relationship Management-Lösungen, einer Reihe von High-Tech-Unternehmen gleich, die ihren erstmaligen Gang an die Börse verkündeten. RightNow wird oft im Zusammenhang mit Salesforce.com genannt, das ebenfalls an die Börse will, und NetSuite, das entsprechende Pläne für das kommende Jahr hegt.

Diese Firmen lassen Erinnerungen wach werden an Anbieter von Fertiglösungen wie Corio und Future Link, die in den späten 1990ern wie Pilze aus dem Boden schossen und als neues starkes Zugpferd der Informationstechnologie wahrgenommen wurden, nur um allzu rasch wieder aus den Schlagzeilen zu verschwinden. Die Nachrichten über solche Firmen, die kamen und gingen, wurden freilich von Google und der verblüffenden Offenlegung seiner Finanzlage überlagert: einem realen Einkommen von 1 Milliarde Dollar und ansehnlichen Profiten von über 10 Millionen. Kein Wunder, dass jeder in Aufbruchstimmung kam. Aber das Ende einer ?Tech is Dreck?-Haltung, die von Beobachtern des Aktienmarkts eingenommen wurde, ist für alle gut, nicht nur für Rolex, Giorgio Armani und Agenturen für Traum-Immobilien.

Die Erholung der Wirtschaft erlaubt neue Innovationen – auch von kleinen Unternehmen

Die neue Wirtschaft erholt sich und die Aktienmärkte wenden sich mit neu auflebendem Interesse wieder dem saloppen Modell des Internet-Business zu. Aber selbst Börsenmaklern scheint die Erinnerung noch in den Knochen zu stecken, denn sie meinen, es sei diesmal wohl kaum eine solche Euphorie zu erwarten. Die neuen Reglements würden schon dafür sorgen, dass es nicht zu dieser Kaufwut mit den fatalen Folgen kommen werde. Tatsächlich ist überall ein positives Vertrauen in die Märkte zu verzeichnen. Es signalisiert einen Übergang zu einem Wettbewerb zwischen Anbietern, in dem auch kleinere Firmen gegen die ganz Großen antreten. Im Customer Relationship Management zum Beispiel, wo Siebel viele Jahre den Markt beherrscht hat, wurde die Beschaffung von Geldmitteln für Unternehmen wie Salesforce, Right Now und NetSuite erleichtert, was letztlich einen sinnvollen Wettbewerb ermöglicht.

Marktbeobachter mögen die letzten paar Jahre als die Rückkehr zur Ordnung angesehen haben, aber es war auch eine Phase, in der die Großen noch größer werden konnten und die Kleinen ausgebremst wurden. Abgesehen von Google kamen die meisten interessanten Technologie-Entwicklungen in letzter Zeit von den Giganten, man denke nur an Apples iPod, HPs iPaq, Microsofts Tablet-PC und OneNote-Software oder IBMs On-Demand-Server und -Dienste. Das Fehlen einer genügenden Anzahl neuer Börsengänger zwang Startup-Firmen zum schnellen Verkauf oder langsamen Absterben. Der wieder erstarkte Glaube an die Wall Street ist ein Segen für alle R&D-intensiven Firmen-Neugründungen und fördert die Innovation.

Die Ekstase und Hysterie der späten 1990er hat durchaus ein paar Unternehmen zum Durchbruch verholfen. Einige davon, zum Beispiel Netscape, wurden in größere Firmen integriert, doch andere wie etwa Lastminute.com, eBay und Yahoo haben überlebt und sind aufgebrochen, die Welt zu verändern. Google ist wahrscheinlich nicht die 15 Millarden Dollar wert, die von einigen Experten geschätzt wurden, doch nichts wird ein Unternehmen der nächsten Generation stoppen können, das für ein Problem die bessere Lösung hat, denn Internet-Inhalte ändern sich ständig.

Dem einen oder anderen mag es den Magen umdrehen, wenn er sieht, wie so mancher, der sich zur Zeit der ersten Euphorie des .com-Business daneben benommen hat, jetzt eine neue Chance bekommt und vielleicht die schnelle Mark verdient (oder Dollars, Euros und chinesische Yuan). Aber sobald sich die Spreu vom Weizen getrennt haben wird, kann die Rückkehr von High-Tech auf den Aktienmarkt nur begrüßt werden.