Betriebssysteme im Wandel
Deshalb habe ich Windows vor die Tür gesetzt

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Les Hatton hat seine Firma zu einem – im Nachhinein betrachtet –
frühzeitigen Zeitpunkt auf Linux und Open-Source-Anwendungen umgestellt.
Dennoch bedauert er immer noch nicht, sich von Windows verabschiedet zu
haben.

Betriebssysteme im Wandel

Les Hatton hat seine Firma zu einem – im Nachhinein betrachtet –
frühzeitigen Zeitpunkt auf Linux und Open-Source-Anwendungen umgestellt.
Dennoch bedauert er immer noch nicht, sich von Windows verabschiedet zu
haben.

Ich habe letzte Woche mit dem XP-Rechner eines Nachbarn gearbeitet. Der
Versuch, die endlosen unerwünschten Pop-Ups, seltsamen Hänger und
plötzlich verschwindenden Geräte auseinander zu sortieren, die die
Windows-Welt zu definieren scheinen, erinnerte mich daran, wie schön es
ist, dass Linux endlich im Business respektabel wird.

Als
Computer-Wissenschaftler bin ich zwar im Besitz eines vollständigen Sets
von Nerd-Genen; dennoch betrachtete meine Firma 1996 mit einem gewissen
Angstzittern erstmals die Möglichkeit, Windows durch Linux zu ersetzen.
Die wachsende Frustration über Microsoft spornte uns allerdings an, da
wir nur Software mittelmäßiger Qualität zu deprimierend restriktiven
Lizenzbedingungen erhielten.

“Linux war schon sehr früh
tausend mal verlässlicher als Windows”

Ich begann meine
Linux-Experimente mit dem dualen Booten eines Laptops. Selbst das
Betriebssystem war überraschend verlässlich – ungefähr tausend Mal
verlässlicher als Windows 95. Leider gab es keine Anwendungen außer für
die Programmentwicklung, so dass wir für diesen Zweck auf Linux
wechselten und Windows für Office-Aufgaben weiterverwendeten. Heute
haben wir drei Haupt-Server, die alle auf verschiedenen Versionen des
Linux-Kernels laufen. Diese Server haben es zusammen auf über 12
Server-Jahre ohne Betriebssystemausfall gebracht. Mit Hilfe von Samba
arbeiten sie fehlerlos mit ein paar Windows-Rechnern zusammen, die wir
zum Software-Testen verwenden. Wartung haben sie praktisch nicht
benötigt.

Auch die Anwendungen haben sich verbessert. Als
Haupt-Umgebung benutzen wir KDE; mit OpenOffice werden unsere
Anforderungen an Office-Produktivität abgedeckt. Mit OpenOffice lassen
sich nahezu alle Microsoft-Dokumente bearbeiten, die wir erhalten.
Wichtiger ist aber, dass die Dateiformate Open Source sind, so dass wir
auch in Zukunft nicht den Zugriff auf wertvolle Schriftstücke und Daten
verlieren.

“Würden wir zu Windows zurückkehren? Nicht ums
Verrecken!”

Das Web-Handling mit Hilfe von PHP und MySQL
ist ausgesprochen ausgefeilt und ermöglicht uns die enge Integration
unserer Software-Prozesse in unsere Geschäftsabläufe, ein essentielles
Element der höheren Ebenen des Software-Prozessmodels Capability
Maturity Model (CMM). Wir haben automatische Scripts von wenigen Zeilen,
die Disk-Volumes im ganzen Netzwerk spiegeln und fast unsichtbar Backups
vornehmen. Außerdem können wir mittlerweile unsere eigenen Produkte
vollständig unter Linux entwickeln und die Ergebnisse für unsere
Windows-Kunden einfach portieren. Das ist eine Sache von einem halben
Tag Arbeit, da alle unsere Regressionstests in portablen
Scripting-Sprachen geschrieben sind, die genau so gut auf Windows
laufen. Am befriedigendsten ist vielleicht, dass man für rund 300 Euro
ein paar Komponenten kaufen kann und ein paar Stunden später einen
sicheren Server hat, der auf Suse Linux läuft und bereits ins Netzwerk
integriert ist. Unsere “Wartungszeit” für Windows – zum Beispiel die
erfolglosen Versuche, Rechner aufzurüsten, oder das endlose
Neuinstallieren von Betriebssystemen , um seltsame Fehler zu beheben –
verwenden wir jetzt auf Open-Source-Projekte, um für die Zeitersparnis
etwas zurück zu geben. Bedauern wir etwas? Nein. Würden wir zu Windows
zurückkehren? Nicht ums Verrecken!

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