IT-Strategien
Consumer-Pakete im Business-Gewand

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Die neuesten Business-PCs scheinen eher für Multimedia-Aktivitäten und für 3D-Games geeignet zu sein als für ernsthafte Aufgaben im Unternehmen, schreibt Daniel Robinson.

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Die neuesten Business-PCs scheinen eher für Multimedia-Aktivitäten und für 3D-Games geeignet zu sein als für ernsthafte Aufgaben im Unternehmen, schreibt Daniel Robinson.

Dass HP im letzten Monat angekündigt hat, europäischen Kunden Desktop-Rechner mit AMD Athlon XP-Chips anbieten zu wollen, erweitert begrüßenswerterweise die Auswahl auf dem Markt für Firmenkunden. Zum ersten Mal verkauft ein großer Anbieter für Firmenkunden – der die Bedürfnisse großer Unternehmen erfüllen kann – Business-Systeme mit AMD-Prozessoren.

Die neuen HP-Desktops haben allerdings alle ziemlich hohe Spezifikationen. Die Prozessoren Athlon XP 3000+ und 2800+ sind vielleicht nicht die AMD-Spitzen-Chips, sie sind aber auch nicht weit davon entfernt.

Was für Software wird auf diesen neuen Systemen laufen? Wahrscheinlich in den meisten Fällen lediglich Outlook, Word und Internet Explorer. Benötigen diese Business-Anwendungen wirklich Multi-Gigahertz-Client-Systeme? Falls nicht, weshalb werden den Firmen dann immer schnellere und leistungsfähigere Desktop-Rechner angeboten an Stelle von Hardware, die den wirklichen Bedürfnissen angemessen ist?

Zu viel Power für Business-Anwendungen – und die falschen Argumente dafür
Ich habe bereits in früheren Kolumnen ausführlich argumentiert, dass High-Performance-Systeme kaum als Business-Desktops benötigt werden. AMD, Intel und andere Hardware-Anbieter weisen auf verbessertes Multitasking hin und auf die Möglichkeit, im Hintergrund Aufgaben wie Viren-Scanning durchzuführen. Das seien die Gründe dafür, die Geschwindigkeit immer höher zu drehen – ein oft wiederholtes Mantra, aber das beginnt sich abzunutzen.

Seit Jahren beklagen sich viele Unternehmen, dass ein Netzwerk voller Windows PC teuer im Betrieb sei, und sie haben immer wieder nach Clients geschrieen, die leichter zu verwalten sind. Jedes mal, wenn ein neuer Prozessor oder Chip-Set auf dem Markt erscheint, liegt der Fokus jedoch immer auf der Geschwindigkeit und der Vorstellung, dass man für sein Geld mehr Leistung haben will.

Die unausgesprochene Wahrheit über den PC-Markt ist leider, dass er nicht mehr von den Bedürfnissen der Geschäftskunden getrieben wird, sondern von denen der Konsumenten. Wer das bezweifelt, sollte einfach in den neuesten Desktop-Rechner im Büro schauen. Wahrscheinlich wird er Grafik-Hardware enthalten, die für die Unterstützung von 3D-Spielen entwickelt wurde. Auf ähnliche Art und Weise bietet Windows XP viele konsumentenorientierte Funktionen wie Unterstützung für die Wiedergabe von Audio- und Video-Multimedia-Dateien.

Die Diskrepanz zwischen dem, was Unternehmenskunden wollen, und dem, was Anbieter liefern, ist verwirrend
Die Lebenszeit eines Desktop-PCs in der Unternehmenswelt wird derzeit auf drei bis fünf Jahre geschätzt. Wenn dagegen Anbieter über Plattformstabilität reden, meinen sie, dass sich Treiber und Hardware in den nächsten 12 bis 18 Monaten nicht zu sehr ändern werden. Diese Diskrepanz zwischen dem, was Unternehmenskunden wollen, und dem, was Anbieter liefern, ist verwirrend.

In anderen Technologiebereichen gibt es unterschiedliche Produktlinien für Firmenkunden und Konsumenten. Nokia beispielsweise bietet Business-Handsets ohne Schnickschnack an, und Firmen-Drucker werden üblicherweise für intensivere Nutzung und Netzwerkeinbindung entworfen. Warum sind dann Business-PCs im Grunde einfach nur Consumer-Modelle in einer schlichteren Verpackung?

Vielleicht entgeht mir ja etwas, aber gibt es keinen Markt für einen simplen PC, der einfach nur funktioniert? Weshalb sind Business-PCs nicht einfach standardmäßig mit integrierten Tools erhältlich, die dem Systemverwalter eine Remote-Neuinstallation des Betriebssystems erlauben, falls es abstürzt? Und vielleicht wäre es auch gut, wenn der Lieferant für die Lebensdauer der Hardware Support anbieten würde, und nicht nur bis zu dem Punkt, an dem er der Meinung ist, jetzt sei es Zeit, dass der Käufer sein System aufrüstet.

Dass es soweit kommt, werden wir allerdings nicht erleben, solange die Anbieter allein auf den Consumer-Markt blicken.