IT-Management
Starke Führungspersönlichkeiten sind erwünscht

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Führungskräfte mit Vision, Elan und Autorität werden immer rarer in
unserer heutigen eher auf Gleichschaltung geeichten Geschäftswelt. James
Woudhuysen legt überzeugend dar, dass wir wenige solche Leute in der
IT-Branche haben und mehr davon dringend brauchen.

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Bill Gates und Suns Scott McNealy schlossen Freundschaft und machten
einfach weiter. Intels Craig Barrett hat sich der Kritik aus den eigenen
Reihen widersetzt. Und bei Apple finden wir Steve Jobs auf dem Höhepunkt
seines Erfolgs mit dem iPod.

Starkult in der Führungsriege
Man muss diesen Moment auskosten. Denn während die IT-Branche einige
Führungsleute mit Ausdauer hervorgebracht hat, finden wir anderswo
nichts als Zynismus gegenüber den “Machern” der Weltwirtschaft. In
Europa überschätzte Sir Philip Watts, Chef von Shell, die firmeneigenen
Ölreserven in Nigeria und musste gehen. Bei Disney war es Michael
Eisner, der wegen mangelnder Produktivität seiner Firma abdanken musste.
In Tokio führten die Verluste des Autoherstellers Mitsubishi zur
Entlassung des Präsidenten Rolf Eckrodt. Freilich hat auch die
IT-Branche ihre Helden, die sich als Bösewichte entpuppten. WorldComs
Bernie Ebbers muss sich noch vor Gericht verantworten. Und seit Jim
Collins in seinem Bestseller Good to great (2001) gegen den
Starkult in der Chefetage Stimmung machte, treten auch Kritiker des
Wall-Street-Führerprinzip entschiedener gegen Überbezahlung und
Korruption in den obersten Rängen ein. Sie vertreten die Ansicht, dass
wir in einer von uns selbst nicht verstandenen Welt des globalen
Outsourcing leben. Firmenübernahmen werden wieder häufiger, und der
“Verschleiß” der Arbeitnehmerschaft macht auch vor der obersten
Führungsschicht nicht Halt. Wo bleibt da der allwissende, allmächtige
Kopf des Unternehmens?

IT-Spezialisten häufig führungsschwach
Fakt ist, dass noch so fähige IT-Spezialisten, wenn sie auf die Karriereleiter
ins Management geraten, häufig schwache Führungskräfte abgeben –
Ausnahmen gibt es freilich. Auf der anderen Seite sind die heutigen
Ängste vor einer starken Führung übertrieben.

Bekannte
Theoretiker, die sich mit diesem Problem befassen, betrachten das
Geschehen im Berufsleben von “Führern und Geführten” eher mit Skepsis.
Sie befürchten, junge erfolgreiche Führungskräfte könnten schnell dem
Wohlstandssyndrom verfallen – Reichtum ohne Zufriedenheit.
Führungskraft-Experte Warren Bennis hört erfolgreiche junge Manager
immer häufiger die Frage stellen: “Soll das jetzt alles sein?”.


Nichtwissen kann auch Stärke sein

Die ältere Chef-Generation wird nicht
nur von ihren eigenen Kindern darin unterstützt, sich ihren Gefühlen
hinzugeben und ihren ethischen Prinzipien treu zu bleiben. Auch Tausende
von Trainern, Autoren und Unternehmensberatern erzählen das Gleiche. Man
will ihnen sagen, dass es mehr um vernünftiges Handeln als um das
Treffen von Entscheidungen geht. Dass ihnen ein “ich weiß nicht” mehr
Glaubwürdigkeit bringt als das Postulieren klarer Direktiven. Schlimmer
noch, wenn die zu vermittelnden Inhalte hinter dem “Animieren” versteckt
werden – was in den beschwörenden Reden von Truppenführern zur
Motivation der Soldaten gipfelt, sich im Zweifelsfall in den Tod zu
stürzen.

Die Idee der Führerschaft hat immer etwas
Faschistisches, und es gibt genug Beispiele übler Führer, die zu
Schreibtischtätern wurden. Doch das Konzept einer Führerschaft, wie es
Tony Blair in seiner Rede nach seiner Wahl 1997 propagierte, das den
Menschen, den eigentlichen “Machern”, dienen soll, scheint mir eher als
Flucht vor Verantwortung. IT-Chefs finden es vielleicht schick, im Sinne
einer moderner Gleichmacherei in die Knie zu gehen vor einer starken,
teilnehmenden und aus selbstständigen Personen bestehenden Belegschaft,
sie mögen sich einreden, dass jeder einen Führungsposten ausfüllen kann.

Aber einen wirklich führenden Kopf eines IT-Unternehmens wird man an dem
Fortschritt messen, der erzielt wurde, an neuen Geschäftsbereichen, die
erschlossen wurden, und an neuen Erkenntnissen, die gewonnen, getestet
und umgesetzt wurden. Jedes andere Führungs-Konzept ist nur heiße Luft.

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Der Autor: James Woudhuysen ist Unternehmensgründer in
Großbritannien. Derzeit betreibt er ein Unternehmen, das Services rund
um IT und den mobilen Markt anbietet, etwa Domain-Namen für Handys,
einen mobilen Pub-Finder für London und Dienste für Unternehmen, die das
Beste aus mobilen Technologien holen wollen.

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