IT Security
High-Tech-Kriminalität hat Tradition

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Ein legales Netzwerk zu errichten, das zur Verhinderung und Bestrafung
von High-Tech-Kriminalität dient, ist nicht ganz einfach. Doch auch
früher schon, meint Neil Barrett, hatte der Gesetzgeber seine
Schwierigkeiten, mit dem technologischen Fortschritt Schritt zu halten.

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Ganz aktuell können wir die Machenschaften Krimineller in der
High-Tech-Branche beobachten, durchgeführt von einer organisierten
Verbrecherbande. Sie haben Hacker eingesetzt – oder zumindest die
Techniken, die von Hackern verwendet werden – um eine verteilte
Denial-of Service-Attacke auf die Website des Opfers zu starten.

Es handelt sich offensichtlich um ein Online-Wettbüro. Die Lahmlegung
der Website verwehrt es Benutzern, ihr Geld auf irgendeinen lahmen Esel
zu setzen, der an einem der zahllosen Rennen auf der ganzen Welt sein
Glück versucht. Die Opfer erhielten eine anonyme E-Mail, vielleicht über
ein gekapertes WLAN ins Internet geschleust, in der 30.000 Dollar für
die Beendigung des Spuks gefordert werden. Das Geld soll über eine Kette
von angeblichen Internet-Bankkonten einlaufen: einer Kette von Konten
und Geldtransfers, die um die ganze Welt reicht, bevor sie schließlich
im Koffer der kriminellen Gruppe verschwindet. Die Opfer können
allerdings die Attacken mitnichten stoppen, auch die Polizei ist nicht
in der Lage, die Quelle der erpresserischen Forderung aufzuspüren.
Nachforschungen von Seiten der Finanzbehörden sind im undurchschaubaren
Dschungel von Geldbewegungen ebenfalls zum Scheitern verurteilt; und
selbst wenn die Betrüger gefasst würden, wird es kaum möglich sein, sie
ihrer Taten zu überführen.

Die Kriminellen verfügen über einen
Geschäftsplan, der dem vieler Firmen mit Internetpräsenz weit überlegen
ist. Doch obwohl wir es hier mit einem Phänomen unserer modernen
High-Tech-Welt zu tun haben, ist es ein Irrtum zu glauben, es handle
sich ausschließlich um ein Problem unserer Zeit. Bereits 1888 beschrieb
Inspektor John Bonfield von der Chicagoer Polizei die Realität der
High-Tech-Kriminalität sehr anschaulich: “Es ist bekannt”, soll er
gesagt haben, “dass es von allen Bevölkerungsschichten die Kriminellen
sind, die sich am cleversten und schnellsten die neuen Triumphe der
Wissenschaft zunutze machen.” Doch auch schon vor Bonfields Äußerungen
gehörte High-Tech-Kriminalität zum Alltag. 1834 ersannen zwei Banker aus
Bordeaux – Louis und Francois Blanc – einen cleveren Plan, sich das neu
errichtete Telegrafennetz von Paris zunutze zu machen.

Damals
brauchten Nachrichten über die Bewegungen am Pariser Aktienmarkt fünf
Tage, um von Paris nach Bordeaux zu gelangen. Den Blanc-Zwillingen
gelang es, die Aktienkurse noch am selben Tag herauszubekommen und mit
diesem Vorsprung von vier Tagen ein Vermögen zu scheffeln. Ein Komplize
war in Paris stationiert, um den Markt zu beobachten und eine
verschlüsselte Nachricht über das Telegrafennetz zu senden. Ein zweiter
Komplize in Bordeaux wurde in der Nähe der Telegrafenstation
einquartiert, nahm die Nachricht in Empfang und leitete sie an die
Blanc-Brüder weiter. Diese Masche funktionierte zwei Jahre reibungslos,
bevor sie aufgedeckt wurde und die Banker 1837 wegen Betrugs vor Gericht
kamen. Doch die französischen Behören standen vor der Erkenntnis, dass
sie über keine Gesetze verfügten, um derlei Delikte zu ahnden. So
konnten Louis und Francois mit ihrer Beute davonziehen, während die
Regierung in aller Eile ein neues Gesetz auf die Beine stellte.

150 Jahre später sehen wir uns in der Welt mit demselben Problem
konfrontiert, nur dass es hier um Computer-Kriminalität geht. Haben wir
nichts gelernt?