IT Week Meinung
Das Leid mit der neuen Software

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Benutzer, die von einer etablierten Software auf ein neues, “besseres”
Programm umsteigen, haben es oft nicht leicht, findet Guy Kewney.

IT Week Meinung

Wie schützt man sich vor dem “WordStar-Syndrom”? Es dürfte jedem bekannt
sein; sein Ursprung stammt aus der Zeit, als jeder WordStar verwendete
und ein paar Ausgeflippte anfingen, von WordPerfect zu schwärmen. Doch
für viele schien ein Umstieg äußerst schwierig.

Das Dilemma
beginnt damit, dass Sie eine schwierige Aufgabe bekommen und dafür ein
besonders widerspenstiges Programm verwenden sollen. Am Ende des
Projekts stellen Sie fest, dass Sie nun der große Experte geworden sind
und das Programm im Griff haben.

Das fühlt sich gut an, denn Sie
erfahren größte Bewunderung aus dem Kreise Ihrer Freunde und Kollegen
und werden als der Experte auf diesem Gebiet angesehen. Doch eines Tages
stellen Sie fest, dass der Rest der Welt jetzt eine neue Software
benutzt.

Alle sind begeistert, also machen auch Sie einen Versuch
mit dem neuen Programm. Doch bei Ihnen funktioniert es einfach nicht:
Sie wollen mit „select all“ eine Dateiliste auswählen, doch stattdessen
wird eine Liste mit Unterordnern gesucht. Sie wollen einen Abschnitt
markieren, doch das neue Produkt wirft den Scanner an. Sie werden
wütend, doch bekommen überall dieselbe Antwort: “Doch, das ist schon
richtig so.”

Und mit Schrecken stellen Sie fest, dass Ihr
Expertenwissen auf dem Gebiet der alten Software Sie unfähig gemacht
hat, ein neues Programm sachlich und unvoreingenommen zu beurteilen.

Die Begleiterscheinungen dieses Missstands sind schnell erörtert. Neulich
brauchte ich mit einem gewissen, allseits bekannten Programm zehn
Minuten, um eine kleine Datenbank mit etwa 10 MByte zu durchsuchen.
“Geht das nicht schneller?”, fragte ich einen Experten, “Die Leute rufen
bei mir an und wollen Daten, zum Beispiel Telefonnummern.”

“Sag,
dass du gleich zurückrufst”, schlug der “Fachmann” vor. Andere
Ausweichmanöver sind: “Warum möchtest du das überhaupt tun?”, oder “Du
hast vielleicht zu viele Daten auf deiner Platte” oder, der absolute
Knüller: “Lösch alles, installier es neu und stell das Ganze aus deinen
Backup-Dateien wieder her.”

Wir alle kennen dieses Leid. Doch
weiß auch jemand, wie wir es vermeiden können?

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