IT Strategie
Wintel versus Mainframe

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Microsoft und Micro Focus behaupten, dass Unternehmen besser dran sind,
wenn sie Mainframes zu Gunsten eins Windows/Intel-Kits (Wintel)
aufgeben. Haben sie recht?

IT Strategie

Die Software-Anbieter Micro Focus und Microsoft wollen Mainframe-User
überzeugen, auf die Wintel-Plattform zu migrieren. Analysten stellen
fest, dass manche Unternehmen die Argumente dafür – Performance und
Wirtschaftlichkeit – überzeugend finden.

“Es gibt einen Bereich
von Unternehmen, die Mainframes benutzt haben, diese aber nie
aufgerüstet haben, da ihre Arbeitslast einfach zu klein ist, die Kosten
der Aufrüstung selbst unter den neueren Preismodellen zu rechtfertigen”,
erklärt Joyce Becknell von der Analysten-Firma Sageza. Sie fügt hinzu,
dass diese Unternehmen geeignete Kandidaten für die Software von
Microsoft und Micro Focus sind.

Becknell hat festgestellt, dass
Microsoft und Micro Focus einen Preisvorteil für sich reklamieren, dabei
aber Konkurrenz von Sun Microsystems und der Unix-Gruppe von IBM
erhalten. Sie ergänzt, dass IBM weiterhin die Preise nach unten drückt,
und dass der als Einstieg geeignete Mainframe z890 in
Einzelprozessor-Konfigurationen erhältlich ist. “Bei einem Preismodell
nach Arbeitslast [bei dem zusätzliche Prozessoren angeschaltet werden
können und nach Benutzung bezahlt werden] kann man sich das leisten”,
kommentiert Becknell.

Micro Focus argumentiert jedoch, dass
Unternehmen, die über z890 nachdenken, mit einem Wintel-Kit besser
fahren könnten. “Wenn eine Firma eine Mainframe-Installation mit weniger
als 400Mips benutzt, gibt es einen Grund, dass sie [zu Wintel] migrieren
sollte”, meint Andy Sinclair, Director Produktmanagement bei Micro
Focus. “Bei bis zu 400Mips stellen wir fest, dass die User den Mix aus
Cobol- und Cics-Anwendungen haben, der auf Micro Focus Cobol portiert
werden kann, und dass sie das Anspruchsniveau hinsichtlich er
Verfügbarkeit haben, das eine Intel-Server-Plattform sowohl hinsichtlich
der Performance vernünftig erscheinen lässt”, ergänzt er.

Sinclair räumt ein, dass manche Unternehmen bei Mainframes bleiben
sollten. “Das hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie dem Umfang
und der Art der genutzten Anwendungen”, meint er. “Es sind immer noch
viele Systeme und Anwendungen wie IMS und Adabas in Gebrauch, die
Mainframe-Systeme benötigen. Oberhalb von 400 Mips ist es außerdem
wahrscheinlicher, dass die Firmen ihre Systeme gekauft haben. Unter 400
Mips ist es dagegen unsere Erfahrungen, dass die Mehrzahl
Leasing-Verträge hat. Wer ein geleastes Kit benutzt, kann Probleme
bekommen, wenn er sich nicht bewegt deswegen kann eine Migration bei den
richtigen Anwendungen und einem geleasten Mainframe Sinn machen.” Laut
Sinclair kann diese erhebliche Einsparungen bei den Betriebskosten zur
Folge haben. Er berichtet von einer Firma, die die jährlichen
Betriebskosten von 250.000 US-Dollar auf 10.000 Dollar senken konnte.

Solche Behauptungen treffen auf viel Skepsis. Teresa Jones von der
Analystenfirma Butler Group meint: “Mainframes haben sicher einen
signifikanten Overhead im Betrieb, bei der Software-Entwicklung, der
Datenbankwartung und ähnlichem. Vieles davon ist allerdings auch in
Windows-Server-Umgebungen erforderlich. Ich habe von angeblichen
Kostensenkungen von 50 Prozent gelesen, aber ich glaube das nicht. Das
einzige, was daraus resultiert, ist Druck auf die Preise die unter
realen Bedingungen ohnehin deutlich niedriger sind als früher.”

Becknell von Sageza empfiehlt, dass Firmen die Total Cost of Ownership
(TCO) im Auge behalten sollten und nicht nur die Leasing-Kosten. “Wie
komplex ist die Anwendung, die Support benötigt? Würde eine Umstellung
auf ein neues Preissystem sinnvoll sein? Wie viel kostet eine weitere
Microsoft-Lizenz? Spielt das eine Rolle bei der Nutzung von Microsoft
innerhalb der Firma insgesamt? Wie viel Speicher muss portiert werden?”
Die TCO könnte einen Wechsel zu Wintel rechtfertigen, fügt sie hinzu.
“Vor allem wenn eine neue Microsoft-Anwendung in bestehende Service- und
Lizenzvereinbarungen integriert werden kann im Gegensatz zur Wartung von
etwas Speziellem nur für eine bestimmte Anwendung.”

Performance
und Systemfähigkeiten sind weitere wichtige Faktoren. Es stimmt zwar,
dass Intel-Server schneller geworden sind, aber bei
Mainframe-Performance geht es um mehr, zum Beispiel um Kapazitäten für
Kommunikationskanäle, um Partitionierung und Cluster-Technologien.

Laut Chris Ingle vom Analystenunternehmen IDC sind die neuen Wintel-Server
jedoch dabei, die Lücke zu schließen. “Einige größere
Symmetric-Multiprocessing-[SMP]-Systeme wie Unisys ES 70 haben
hinsichtlich I/O und Speicher das Potential einige Mainframe-Systeme zu
ersetzen”, meint er. “Die Umsätze von Microsoft Windows Datacenter
Edition waren zwar gering, aber das Programm hat für etwas mehr
Mainframe-Disziplin in der Windows-Umgebung gesorgt. Systeme wurden
abgeschlossen und Anwendungen zertifiziert.”