Web-Services
Die großen Web-Service-Anbieter schließen Waffenstillstand

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Sun und Microsoft legen ihre Differenzen bei und beschließen die
Zusammenarbeit – Martin Banks fragt sich, ob dies eine neue Ära der
Interoperabilität einläutet oder ob die beiden Großen den Markt in die
Enge treiben wollen.

Web-Services

Es war schön mitanzusehen, wie wenigstens auf einem der berühmten
Schlachtfelder der Computer-Industrie der Friede erklärt wurde: Sun hat
sich mit Microsoft auf die Bedingungen verständigt, zu denen eine
Microsoft Java Virtual Machine (JVM) künftig vertrieben wird. Die beiden
Unternehmen haben eine Einigung im Umfang von 1,6 Milliarden US-Dollar
erreicht, indem sie ihre Technologien gegenseitig lizenzieren werden.
Als Resultat wird die Interoperabilität zwischen zwei der wichtigsten
Umgebungen für Unternehmenskunden wahrscheinlich deutlich wachsen Java 2
Enterprise Edition (J2EE) und dot-Net von Microsoft.

Diese beiden
Systeme sind Kernstück fast aller Entwicklungen von web-basierten
Anwendungen und Web-Services. Ich vermute, dass eine ganze Reihe von
Firmen bisher von dem in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Kampf
zwischen den beiden Riesen abgeschreckt wurden, da jeder Zug eine
Entscheidung für das eine oder das andere Lager bedeutete J2EE oder
dot-Net. Es sah so aus, als würden die beiden nie zu einander finden,
und Wehe dem IT-Director, der die falsche Entscheidung traf.

Jetzt scheint es, dass es kein Entweder-Oder mehr gibt. Dass sich Sun
und Microsoft vertragen, bedeutet allerdings nicht, dass die
Implementation einfach wird. Eine ganze Reihe von Analysten glaubt
nicht, dass das Bündnis halten wird, und vermutet, dass die beiden
IT-Riesen bald neue Konfliktfelder finden werden. Andere, wie Dana
Gardner von der Analystenfirma Yankee Group; sehen eine größere Gefahr,
wenn die Eintracht anhält, da die beiden Firmen dann Unternehmenskunden
an ihre kombinierten proprietären Produkte fesseln könnten.

Langfristig kann jedoch eine wachsende Interoperabilität zwischen J2EE-
und dot-Net-Anwendungen erwartet werden, ohne dass Third-Party-Tools den
nötigen Klebstoff liefern. Die Einigung zwischen Microsoft und Sun ist
wirtschaftlich sinnvoll. Sun-Geschäftsführer Scott McNealy kommentiert
passend: “Vielleicht sind wir erwachsen geworden”. Die Versuchung, zu
sagen: “Wurde auch Zeit!”, ist groß, denn Sun hat wohl die Entwicklung
von J2EE-Systeme unter Beteuerung seiner Offenheit gebremst, während man
gleichzeitig versucht hat, ein proprietäres Kontrollniveau darüber zu
erlangen.

McNealy wird außerdem dahin gehend zitiert, dass
“vielleicht die Kunden das Sagen haben”, und ich glaube, da hat er
Recht. Die meisten Unternehmen sogar die überzeugten IBM-Mainframe-User
haben ein ständig wachsendes Sammelsurium von Hardware, Betriebssystemen
und Anwendungen. Interoperabilität ist hier kein optionales Extra,
sondern eine Notwendigkeit. Die Nachfrage nach Service-Applikationen,
die nicht auf Programmen oder Software-Paketen eines einzigen Anbieters
beruhen, wächst. Neue Services werden aus einer beliebigen Anzahl von
Anwendungen bestehen, oder wahrscheinlicher aus Komponenten und Applets,
die unabhängig von Anbieter, Betriebssystem, Sprache oder
Hardware-Plattform zusammenarbeiten.

In einer solchen Welt
riskieren Unternehmen wie Microsoft und Sun, dass sie von Kunden
ignoriert werden, die umfassende Interoperabilität suchen, falls sie
gegen den Trend gehen und auf Marktbeherrschung setzen. Eine solche
Position könnte auch dazu führen, dass Unternehmensentscheidungen über
die Einführung neuer Systeme weiter verzögert werden.