Software-Architekturen
Hochkonjunktur bei Open Source

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Die meisten größeren IT-Unternehmen nutzen in irgendeiner Form
OpenSource-Produkte. Roger Howorth erklärt, warum dies ein wachsender
Trend ist, der allen Beteiligten wesentliche Vorteile bringt.

Software-Architekturen

IBM hegt den Wunsch, Sun möge seine Java-Technologie mit
Open-Source-Lizenz herausbringen nur: Was für eine Lizenz? Eine BSD-
oder eine GPL-Lizenz? Die Unterschiede sollten geklärt werden.

Da
gibt es zunächst das Lager mit Anbietern, die eine OpenSource-Software
hernehmen und dann ein kommerzielles Produkt daraus machen. IBM
WebSphere ist ein solches Beispiel, es nutzt als eine seiner Komponenten
den OpenSource-Webserver Apache. Apaches Open-Source-Lizenz ist vom Typ
Berkeley Software Design (BSD), also kann IBM Apache in WebSphere
integrieren, wobei sämtliche Änderungen, die IBM an Apache vornimmt,
Eigentum von IBM bleiben und nicht an den “Urheber” zurückgegeben werden
müssen.

Trotzdem würde IBM zum Beispiel kleinere Bugfixes an die
Apache-Gemeinde zurückgeben. Klar, denn IBM profitiert davon, wenn die
OpenSource-Gemeinde diese Fixes übernimmt. Auf der anderen Seite müsste
IBM aber, würde Apache den IBM-Fix nicht wollen, ihn selbst in jedes
neue Apache-Release einbauen.

Der Gnome Graphical Display Manager
liefert dagegen ein gutes Beispiel für eine General Public License
(GPL). Sun nutzt ihn für seine kommerziellen Systeme. Gnome wird mit
GPL-Lizenz ausgeliefert, und das bedeutet, dass alle Bug-Fixes und
sonstigen Veränderungen Eigentum der Gnome-Organisation bleibt.

Sun betrachtet den Desktop-Bereich in gewisser Weise als Baustelle. Die
Infrastruktur muss gegeben sein, aber es dürfen viele dran arbeiten und
verdienen. Sun verwendet also in dem Bereich ein GPL-Projekt, weil es an
eigenen Lösungen im Desktopbereich kein Interesse hat.

Doch
zurück zum OpenSource-Produkt Java: Es gibt zwar schon ein paar
Open-Source J2EE-Anwendungsserver und SDKs, doch plattformübergreifende
Java Virtual Machines (JVMs) als OpenSource fehlen. Und die bekannteste
JVM namens Blackdown hat das große Manko, dass sie außer für x86-Chips
für kaum einen anderen Prozessor verfügbar ist. Vor allem arbeitet sie
nicht auf AMD´s 64-Bit-Opteron.

Der Mangel an
plattformübergreifenden OpenSource JVMs ist für viele Unternehmen, die
Java-Anwendungen anbieten, ein Problem, das eine Integration schwieriger
macht und den dafür fälligen Kostenaufwand drastisch erhöht.

Einfacher liegt der Fall, wenn der Kunde gleich eine Lizenz für eine
kommerziell vertriebene JVM von IBM, BEA oder von Sun selbst erwirbt.
Vielleicht verwendet er auch einen x86-Server und kommt mit Blackdown
zurecht. Aber reibungsloser würde das Ganze ablaufen für Firmen, die
Java-Systeme vertreiben, wenn sie ihren Produkten eine komplette
OpenSource-Infrastruktur verpassen würden. Entsprechend würde IBM, nach
eigenen Aussagen, gerne seine JVM mit einer OpenSource-Lizenz
herausbringen, aber der Vertrag mit Sun lässt dies nicht zu. Eine
vernünftige OpenSource-JVM würde der gesamten Java-Community richtig
Auftrieb geben.

Diese Ansätze lassen vermuten, dass eines Tages
alle komplexeren Software-Systeme OpenSource-Technologie für ihre
Infrastruktur einsetzen werden. Einige der OpenSource-Komponenten werden
dann mit GPL-Lizenzen arbeiten, andere Lizenzen werden kommerzieller
orientiert sein. Was gerade mit Novells NetWare passiert ist, könnte
jetzt auch Java ereilen. Selbst Microsoft verteilt eine ganze Menge GNU
OpenSource-Komponenten in seinen “Services for Unix”. Wir sind gespannt,
wohin uns Open Source als Nächstes führt…