Betriebssysteme im Wandel
Wird Microsoft wirklich ein Windows lite anbieten?

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Viele Käufer würden eine einfache Low-cost-Version von Windows ohne
unnötige Add-ons bevorzugen. Aber wird es die nach dem EU-Urteil
wirklich geben? Das jedenfalls fragt sich IT-Week-Autor Daniel Robinson.

Betriebssysteme im Wandel

Viele Käufer würden eine einfache Low-cost-Version von Windows ohne
unnötige Add-ons bevorzugen. Aber wird es die nach dem EU-Urteil
wirklich geben? Das jedenfalls fragt sich IT-Week-Autor Daniel Robinson.

Die kürzliche Entscheidung der EU-Kommission für eine kartellrechtliche Strafe
gegen Microsoft hat inzwischen die erwarteten Reflexe der üblichen Pro-
und Contra-Microsoft-Lobbies der Industrie geweckt.


Vorurteile ohne Ende

Einige Stimmen in den USA haben das
Urteil schnell als Beweis der anti-amerikanischen Einstellung der
Europäer gebrandmarkt. Die Europäer hätten schon immer kulturelle
Vorurteile gegenüber der schnell agierenden Konkurrenz der
US-Unternehmen, die große Gewinne einfahren. Das “Microsoft-bashing
camp” hat aber auch keine Zeit verschwendet, seine Meinung zu
verbreiten: Die Abwehr gegenüber Microsofts Marktmacht ginge nicht weit
genug, um das monopolistische Verhalten des Unternehmens zu unterbinden.


Gut und Böse

Wahr ist jedoch, dass eine genaue Festlegung von
Gut und Böse sehr schwer ist – weil man noch nicht sagen kann, was das
Urteil eigentlich bewirkt. Bei denjenigen, die etwas gegen den
Softwareriesen haben, kommt sicher Schadenfreude über das Urteil auf,
aber wer hat wirklich etwas davon, wenn Microsoft dazu gezwungen wird,
eine Windows-Version ohne den Media Player zu produzieren? Man könnte
argumentieren (und sicher wird Microsoft dies in der
Berufungsverhandlung anbringen), dass die Kunden tatsächlich vom WMP als
Standard-Einstellung profitieren. Wenn das wahr ist, werden wir
wahrscheinlich sehen, dass die “abgesägte” Windows-Variante sich
schlechter verkauft als die vollständige Version, auch wenn sie weitaus
billiger sein wird – vorausgesetzt natürlich, dass es jemals eine
Light-Version geben wird.

Aber vor allem der EU-Business-Markt
würde eine günstigere Media-Player-freie Version von Windows
bereitwillig annehmen. Auch, wenn das Urteil der Kommission die
Light-Version von Windows nur ein paar Euro billiger macht, schlägt sich
dies in gewaltigen Ersparnissen für die Unternehmen nieder, die XP auf
ein paar tausend Desktops installieren müssen.

Ehrlich gesagt
gibt es viele Unternehmen, die ohne den Windows Media Player besser dran
wären. Die Software ist eine der größten Versuchungen zur
Zeitverschwendung im Büro in der ganzen Geschichte der Erwerbstätigkeit.
Wer auch immer bei Microsoft dafür verantwortlich war, sie in ein
Betriebssystem zu integrieren, das eigentlich für Unternehmens-Desktops
gedacht ist, verdient es, erschossen zu werden.

Windows ist
zu aufgebläht

Es ist auch zahlreicher anderer Blödsinn in
Windows enthalten, der nicht da sein müsste. Was die meisten
Büroanwender wirklich brauchen ist ein Browser, ein E-Mail-Client und
die Möglichkeit, sich mit Firmenservern zu verbinden. Vielleicht sollte
Microsoft das EU-Urteil einfach als Signal zum Aufwachen verstehen und
seine “abgesägte” Windows-Version als minimierten Client verkaufen, der
nur die wirklich wichtigen Dinge bietet, zuverlässig läuft und nichts
von dem aufgeblasenen Unsinn enthält, den wir als Windows XP wahrnehmen.

Dass das passiert, ist aber sehr unwahrscheinlich. Microsoft-Manager haben
bereits Rekorde aufgestellt mit ihren Aussagen, dass man die Uhr nicht
zurückdrehen könne zu Tagen eines simpleren Windows-Clients. Das nächste
große Windows-Release – Longhorn – scheint die gigantischste und
ressourcenhungrigste Windows-Version der Geschichte zu werden.

Ich persönlich glaube ja, dass Microsoft das noch einmal überdenken
sollte. Eine der Gründe, warum Unternehmen immer mehr an Linux Interesse
haben, ist, dass es damit IT-Managern möglich wird, genau auszuwählen,
welche Funktionen implementiert werden und für die Nutzer in den
Firmennetzen verfügbar sind. Im Vergleich ist Windows voll von
unerwünschten Funktionen, die man nicht so einfach entfernen oder
abschalten kann.

Business-Anwendungen auf dem Server – wozu
ressourcenhungrige Clients?

In diesen Tagen, wo
Unternehmensanwendungen zunehmend wieder auf Servern implementiert
werden – Stichwort Webservices – ist der Bedarf für riesige
Client-seitige Betriebssysteme gering. Microsoft sollte so schlau sein,
den IT-Verantwortlichen das zu geben, was sie wirklich brauchen – ein
einfacheres Leben.

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