Datenschützer kritisieren Kontext-basierte Werbung in Googles neuem E-Mail-Dienst

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Die Werbung sei eine Hintertür zur Sammlung von Informationen, beklagt
die Electronic Frontier Foundation.

Datenschützer in den USA haben sich besorgt über die geplante
Werbe-Finanzierung von Googles E-Mail-Dienst GMail geäußert. Der
Suchmaschinenbetreiber hatte den Service gestern angekündigt. Nutzern
soll in ihren Postfächern bis zu einem Gigabyte Speicherplatz sowie eine
Suchmöglichkeit zur Verfügung stehen. Google will dabei Werbeanzeigen
einblenden, die Bezug zur Nachricht haben (wir berichteten). “Das ist
eine Hintertür, den Inhalt der E-Mails einzusehen, ohne die E-Mail
selbst zu öffnen”, sagte Kevin Bankston, Anwalt der
Internet-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF),
gegenüber der US-Tageszeitung ‘Washington Post’ (Freitagsausgabe), der
die private Ausforschung ganzer Nutzergruppen im Sinne der
Werbetreibenden fürchtet.

Die zum Kontext passende Zuordnung der
Werbung erfolgt vollautomatisch; in den Datenschutzrichtlinien
versichert der Anbieter, dass kein Google-Mitarbeiter den Inhalt der
E-Mails der Nutzer einsehen darf. Doch die inhaltliche Auswertung der
Werbeschaltungen per Datamining kann Informationen über die persönlichen
Interessen einzelner Personen und ganzer Nutzergruppen ermöglichen.

Google-Mitbegründer Larry Page bezeichnete die Kritiken der Datenschützer in
einem Interview als “verrückt”. Google sei bemüht, alle Daten, die der
E-Mail-Dienst generiert vertraulich zu behandeln. Mögliche
Schwachstellen im Datenschutz werden beständig untersucht, so Page.

Doch nicht nur die EFF bekundete Bedenken über den Einsatz der
Kontext-bezogenen Werbung in persönlichen Nachrichten. Diese könne in
bestimmten Fällen sogar geschmacklos werden, warnt Rich Wiggins, Autor
von Anleitungen zum Web Publishing und technischer Mitarbeiter an der
Michigan State University. “Angenommen, jemand sendet ihnen seine
Beileidsbekundung, weil sie einen geliebten Menschen verloren haben.
Wollen sie dann Werbung für Seelsorge oder Friedhöfe erhalten?”, so
Wiggins. (mk)
(
de.internet.com
– testticker.de)

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