IT Week Meinung
Online-Glücksspiel mit Kreditkarten

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Werden Kreditkartennummern gestohlen, haften die Karteninhaber in der
Regel nicht für finanzielle Verluste. Gelegentlich zahlen sie aber auf
andere Art und Weise einen wesentlich höheren Preis, schreibt Neil
Barrett.

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Werden Kreditkartennummern gestohlen, haften die Karteninhaber in der
Regel nicht für finanzielle Verluste. Gelegentlich zahlen sie aber auf
andere Art und Weise einen wesentlich höheren Preis, schreibt Neil
Barrett.

Stellen Sie sich diesen Albtraum vor. Er beginnt damit,
dass Sie im Internet Ihre Kreditkarte benutzen. Zuerst geht alles gut:
Die Karte wird mit der korrekten Summe belastet, die Ware wird
geliefert, es gibt keine Probleme. Die Schwierigkeiten tauchen
allerdings mit der nächsten Kreditkartenabrechnung auf. Auf der Rechnung
tauchen kleine Summen für Dinge auf, an die Sie sich nicht erinnern
können. Die einzelnen Summen sind klein, addieren sich aber zu einem
ansehnlichen Gesamtbetrag. War das eine Folge des Online-Einkaufs? Oder
hat ein Kellner oder ein Verkäufer die Karte kopiert, als er sich damit
im Restaurant oder im Laden außer Sicht befand? Nach Auskunft der
Londoner Polizei gibt es in der Stadt Hunderte von Geräten zum Klonen
von Karten, die sich einfach am Gürtel befestigen lassen, und eine
richtige kleine Industrie, die die gestohlenen Nummern sammelt und
wieder verkauft. Egal wie es passiert ist Sie haben keinen Zweifel
daran, dass die Kartennummer gestohlen und betrügerisch verwendet wurde.

Der Anruf beim Kreditkarteninstitut bringt sofortige Erleichterung: Die Karte
wird gesperrt, der Kundendienstmitarbeiter bespricht mit Ihnen die
verschiedenen Transaktionen und glaubt Ihnen aufs Wort, wofür Sie
verantwortlich sind und wofür nicht, das Geld selbst wird erstattet. Sie
können erleichtert aufatmen und sind sicher, dass der Albtraum vorbei
ist. Da Transaktionen, bei denen der Kartenbesitzer nicht selbst präsent
ist, garantiert geschützt sind, ist die Kreditkarte die sicherste
Methode online einzukaufen. Dummerweise beginnt der Albtraum erst.
Einige Monate später werden Sie und Ihre Familie in den frühen
Morgenstunden es ist noch dunkel unsanft von einer Polizeieinheit
geweckt, die Ihr Haus durchsucht. Bizarrerweise erklärt Ihnen der
Beamte, der die Razzia leitet, dass Sie unter dem Verdacht stehen, gegen
Gesetze zum Schutz vor Kinderpornographie verstoßen zu haben Sie werden
angeklagt, pädophil zu sein und illegale Kindersex-Bilder von einer
Website herunter geladen zu haben, die in den USA betrieben wird. Ihr
Computer wird beschlagnahmt und untersucht, Ihr Haus wird durchsucht,
und Sie selbst werden zu einem äußerst unangenehmen Verhör bei der
Polizei abgeführt. Was schlimmer ist: Ihre Frau weiß nicht, was sie
glauben soll, Ihre Kinder verstehen nicht, was passiert, und Ihre
Nachbarn zeigen Ihnen im besten Fall die kalte Schulter im schlimmsten
Fall werden Sie übel beschimpft.

Eine der kleineren
Transaktionen mit Ihrer Karte war offenbar ein Abonnement bei einer
Pädophilen-Website in den USA, und bei einer Razzia durch den US Postal
Service hat man Ihre Kreditkartenangaben gefunden.

Und der
Albtraum geht weiter: Sie wissen zwar, dass auch bei der genauesten
Untersuchung Ihres Computers durch die Polizei kein pädophiles Material
auftauchen wird, aber da das Personal des technischen Labors überlastet
ist, wird es Monate dauern, bis die Wahrheit ans Tageslicht kommt. In
der Zwischenzeit laufen Sie Gefahr, Job, Freunde, Ruf und Familie zu
verlieren.

Unwahrscheinlich? Leider nicht, das ist eine wahre
Geschichte. Der Schutz, den die Kreditkartenunternehmen anbieten,
bedeutet zwar, dass Sie keine finanziellen Einbußen erleiden, aber das
Problem des „Identitätsdiebstahls“ ist weitreichender. Wir müssen viel
mehr tun als bisher, um uns vor diesen Problem zu schützen.